Die Resilienz stärken

Resilienz bezeichnet ursprünglich die Fähigkeit eines Menschen, Lebenskrisen, wie zum Beispiel schwere Krankheiten und Schicksalsschläge, unbeschadet überwinden zu können. In der Kinderpsychologie steht Resilienz für die Stärke von Kindern, trotz eines schwierigen und risikoreichen, sozialen Umfelds zu gedeihen. Wer resilient ist, besitzt also eine hohe psychische Widerstandfähigkeit und Belastbarkeit. Im Volksmund nennt man diese Menschen „Stehaufmännchen“.

Im Arbeitsleben wünschen wir uns diese Eigenschaft natürlich auch.

Was bedeutet Resilienz in der Arbeitswelt?

In den letzten Jahren hat der Begriff Resilienz die Arbeitswelt erreicht. Es geht längst nicht mehr nur um die Fähigkeit, Krisen zu überwinden, sondern vielmehr darum:

  • mit den steigenden Anforderungen des Arbeitslebens zurecht zu kommen
  • mit Stress positiv umgehen zu können
  • Rückschläge und Misserfolge besser wegstecken zu können
  • Veränderungen positiv zu sehen
  • in hektischen Zeiten Ruhe zu bewahren
  • Widersprüche und Meinungsverschiedenheiten zu ertragen

Resiliente Mitarbeiter zeigen nicht nur in Krisenzeiten Stärke und Gelassenheit, sondern sind im Arbeitsalltag insgesamt stabiler und belastbarer.

Warum lohnt es sich, die Resilienz der Mitarbeiter zu stärken?

Die zunehmende Zahl der Mitarbeiter mit psychischen Erkrankungen bringt das Thema Resilienz immer stärker in den unternehmerischen Fokus. Laut der Krankenkasse DAK haben die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Erkrankungen 2016 einen neuen Rekord erreicht. Die Zahl der Fehltage wegen dieser Diagnose lag bei rund 246 Ausfalltagen je hundert Versicherten und hat sich damit in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht. Zwar sind psychische Erkrankungen insgesamt seltener als physische Erkrankungen, doch wenn sie auftreten, sind sie in aller Regel mit sehr langen Ausfallzeiten verbunden.

Alle Maßnahmen, die präventiv ergriffen werden können, um die seelische Gesundheit der Mitarbeiter zu stärken, sparen dem Unternehmen damit viel Geld. Wenn man daher über Gesundheitsmanagement in Unternehmen spricht, ist die seelische Gesundheit der Mitarbeiter ein mindestens genauso wichtiger Aspekt wie deren körperliches Wohlergehen.

Wie kann man als Unternehmen etwas für die Resilienz der Mitarbeiter tun?

Die gute Nachricht: Resilienz lässt sich stärken. Ähnlich wie man seinen Körper und sein Immunsystem durch gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung fit halten kann, ist es auch möglich, das innere Immunsystem zu stützen.

Doch während der Obstkorb, kostenlose Getränke oder Bewegungsangebote als gesundheitsfördernde Maßnahmen in Unternehmen längst Einzug gehalten haben, fehlen vielfach Ideen, um die psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten. Dabei gäbe es gerade bei der Stärkung der Resilienz viele Maßnahmen, die wenig kosten und dennoch große Wirkung zeigen.

Bei der Steigerung der Resilienz von Mitarbeitern spielen die direkten Führungskräfte die allesentscheidende Rolle. Sie können am besten steuern, wie ein Mitarbeiter Belastungen erlebt und verarbeitet.

Darf ich denn jetzt nichts mehr von den Mitarbeitern fordern und nur noch auf „heile Welt“ machen? Nein, keineswegs. Die Stärkung der Resilienz hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ein sogenannter „Kuschelkurs“ gefahren werden muss. Vielmehr steht eine von Vertrauen und Respekt geprägte Arbeitsatmosphäre im Vordergrund. So zeigt eine repräsentative Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK aus dem Jahr 2016 (veröffentlicht auf Impulse), dass Mitarbeiter, die im Betrieb schlechte Stimmung erleben, öfter unter psychischen Beschwerden leiden als Mitarbeiter, die die Unternehmenskultur bei ihrem Arbeitgeber positiv bewerten.

Doch wie geht das konkret? Wenn Sie als Führungskraft die folgenden 7 Punkte beachten, stärken Sie die Resilienz Ihrer Mitarbeiter nachhaltig.

7 Punkte, wie Sie als Führungskraft die Resilienz Ihrer Mitarbeiter stärken können

1. Überprüfen Sie Ihre Einstellung!

„Typisch! Kaum wird es ein bisschen hektisch, schon meldet sich Frau Maier krank.“ „Burnout, das ist doch ein Modewort für Drückeberger und Faulenzer.“

Mit Sätzen wie diesen kommt eine Führungskraft heute nicht weiter. Stress wird von Menschen sehr subjektiv empfunden. Respektieren Sie jeden Mitarbeiter als Individuum mit seinen persönlichen Stärken und Leistungsgrenzen.

2. Persönlichkeitsprofile beachten

Es ist normal, dass Sie unterschiedliche Mitarbeitertypen in Ihrem Team haben. Wer das Profil seiner Mitarbeiter kennt, hat auch die Möglichkeit, sie gezielt zu führen und zu fördern. Manche Menschen suchen ständig nach neuen Herausforderungen und sind schnell unterfordert und frustriert, wenn ihnen diese nicht geboten werden. Andere hingegen kommen mit häufigen Veränderungen weniger gut zurecht und suchen nach Sicherheit und Beständigkeit.

Wenn Sie wissen, wo die Stärken und Schwächen Ihrer Mitarbeiter liegen, können Sie diese Erkenntnisse in Ihr Führungsverhalten einbauen. BEITRAINING nutzt und vermittelt dazu seit vielen Jahren den ACES-Test.

Mit diesem Hintergrundwissen können Sie individuell auf die Bedürfnisse eines Mitarbeiters eingehen und aufkommende Ängste frühzeitig ausräumen. Damit stärken Sie automatisch die Resilienz und Belastbarkeit.

3. Leistungszyklen erkennen – Entwicklungen festhalten und wertschätzen

Kennen Sie das Leistungsprofil und den Leistungszyklus Ihrer Mitarbeiter? Können Sie einschätzen, wann Belastungsgrenzen erreicht werden? Wir alle durchlaufen Leistungszyklen, unabhängig von der Position, den Aufgaben und der Branche, in der wir arbeiten. Wer diese kennt, kann auch frühzeitig einschätzen, wenn außergewöhnliche Veränderungen und Belastungen sichtbar werden.

Niemand kann 365 Tage im Jahr 100 Prozent Leistung bringen – akzeptieren Sie, dass Ihre Mitarbeiter – wie Sie selber auch – Zeiten haben, in denen es nicht so läuft. Unterstützen Sie sie dabei, die Ursachen dafür zu finden und helfen Sie ihnen, zur alten Form zurückzukehren, anstatt nur ihre Fehler zu aufzulisten. Damit stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihrer Mitarbeiter und damit ihre Resilienz.

4. Ziele und Prioritäten klar definieren

„Können Sie das bitte für mich erledigen, ich brauche es nächste Woche!“ Eine Stunde später: „Ach, ich brauche es doch schon heute Abend. Das kriegen Sie doch hin, nich wahr.“

Es kann natürlich vorkommen, dass sich Prioritäten und Termine verschieben. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter in solchen Situationen jedoch nicht hängen, sondern gehen Sie mit Ihnen die neuen Prioritäten durch und klären Sie eindeutig, was zuerst zu erledigen ist.

5. Hilfe und Unterstützung, wo notwendig

Bieten Sie Hilfe und Unterstützung, wenn ein Mitarbeiter sich überfordert zeigt. Erfragen Sie genau, wo es hakt und bieten Sie gezielt Gegenmaßnahmen an. Das kann in Form von Coaching, Training oder auch durch organisatorische Maßnahmen geschehen.

6. Regelmäßige Mitarbeitergespräche

Regelmäßige Mitarbeitergespräche sind die Basis der Mitarbeiterführung. Sie sind nicht nur grundlegend für eine reibungslose und effektive Zusammenarbeit, sondern auch für den Aufbau einer Vertrauensbeziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Sie haben somit einen großen Einfluss auf die Motivation, Zufriedenheit und Resilienz eines Mitarbeiters.

Hier finden Sie Tipps zum Führen von Mitarbeitergesprächen.

7. Unternehmenskultur

Oft ist es aber auch gar nicht der Stress, sondern die schlechte Unternehmenskultur, die sich negativ auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter auswirkt. Mitarbeitern ist es laut Fehlzeitenreport insbesondere wichtig, dass sie Rückhalt von ihrem Unternehmen erfahren, dass gute Arbeit anerkannt wird und sie ein gewisses Mitspracherecht bei Entscheidungen haben. Achten Sie auf einen respektvollen Umgang aller Mitarbeiter untereinander und geben Sie Mobbing keine Chance.

Hier finden Sie Tipps zur Mitarbeiterführung.

Was kann ich selbst tun, um meine eigene Resilienz zu stärken?

1. Selbstverantwortung übernehmen

Manche Menschen neigen dazu, anderen oder dem Zufall die Schuld für gewisse Ereignisse zuzuschreiben. Sie sagen zum Beispiel „Pech gehabt“ oder „Da kann ich nichts machen“. Das bringt sie in eine Opferrolle. Resiliente Menschen übernehmen lieber die Kontrolle über die Ereignisse. Überlegen Sie sich daher, an welchen Situationen Sie etwas ändern können und schreiben Sie sich auch die Erfolge zu, wenn Sie etwas erreicht haben.

2. Erfolge festhalten

Halten Sie Ihre Erfolge schriftlich fest. Manche tun dies in einem Tagebuch oder in einer Erfolgsbilanz. Über die Jahre hinweg ergibt sich in der Rückschau ein kleiner Schatz, der Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und somit auch die Resilienz stärkt.

3. Energiebilanz führen

Worauf verwende ich welchen Teil meiner Energie? Aus welchen Lebensbereichen ziehe ich welchen Teil meiner Energie? Letztendlich sind unsere Zeit und unsere Energie die Ressourcen, die nur in begrenzten Ausmaß zur Verfügung stehen und über deren Einsatz wir uns bewusst entscheiden müssen. Die Erstellung einer Energiebilanz uns dabei.

4. Selbstmanagement

Wer gut organisiert ist, fühlt sich in der Regel sicherer. Eigenorganisation hilft, den vollen Überblick über seine Aufgaben zu haben. Dies erlaubt auch, besser abschalten zu können und die freie Zeit zu genießen. Denn wer den Überblick verliert, wird unruhig und schwächt damit seine Belastbarkeit. Das Arbeiten nach Prioritäten und eine gut geführte Aufgabenliste sind Grundvoraussetzungen, um die innere Ruhe zu bewahren.

Wenn Sie als Führungskraft die Möglichkeit haben, Aufgaben an Mitarbeiter zu delegieren, sollten Sie auch überdenken, ob Sie diese Möglichkeit optimal nutzen. Wenn Sie nur 10% mehr von Ihren Aufgaben erfolgreich delegieren, können Sie sich einen halben Tag pro Woche mehr als vorher den Dingen zuwenden, die Sie wirklich weiterbringen.

Möchten Sie sich selbst besser organisieren? Das bewährte Seminar „Effektive Eigenorganisation“ oder hilft Ihnen dabei.

5. Netzwerke aufbauen

In belastenden Situationen hilft ein soziales Netzwerk. Es besteht aus Familien, Freunden, aber auch Geschäftspartnern und Kollegen. Es gibt Ihnen die Möglichkeit, sich über Probleme offen austauschen zu können und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das gibt Ihnen innere Sicherheit und stärkt Ihr Durchhaltevermögen. Pflegen Sie daher Ihre Beziehungen.

 

Birgit Mauroner
Birgit Mauroner ist Manager Marketing & PR bei BEITRAINING International. Nach einem internationalen Studium der Betriebswirtschaft in Reutlingen und Reims war sie zunächst als Account Manager für A.C.Nielsen tätig. Seit 2003 ist sie bei BEITRAINING für die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Berufsbegleitend absolvierte sie dabei ein Studium zur akademisch geprüften PR-Beraterin.
Birgit Mauroner

Birgit Mauroner

Birgit Mauroner ist Manager Marketing & PR bei BEITRAINING International. Nach einem internationalen Studium der Betriebswirtschaft in Reutlingen und Reims war sie zunächst als Account Manager für A.C.Nielsen tätig. Seit 2003 ist sie bei BEITRAINING für die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Berufsbegleitend absolvierte sie dabei ein Studium zur akademisch geprüften PR-Beraterin.

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