Lob und Kritik richtig aussprechen

Der Nikolaus wird oftmals als Experte für Lob und Kritik betrachtet. Doch ist das wirklich so? Wir wollen seine Kompetenzen einmal kritisch überprüfen. Vielleicht könnte man doch noch einiges besser machen.

Erinnern Sie sich auch noch daran?
Behutsam schlägt er sein goldenes Buch auf und sucht mit dem Zeigefinger nach Ihrem Namen. Mit einer grimmigen Miene stellt er Ihnen nun, die schon bekannte Frage: “Na, bist du denn auch schön brav gewesen?“. Sie schauen in das unheimlich aussehende, bärtige Gesicht seines Begleiters und auf die unheilvolle Rute, die er bei sich trägt. Ihnen wird flau im Magen. Schweißperlen beginnen sich auf Ihrer Stirn zu bilden. Plötzlich fallen Ihnen zu viele Situationen aus dem vergangenen Jahr ein, bei denen Sie vielleicht doch nicht so brav gewesen sind…

Was sich Ihnen aus Ihrer Kindheit in den Kopf gebrannt hat, ist bei manchen Unternehmen leider oft heute noch anzutreffen, besonders zum Thema Lob und Kritik. Mitarbeiterführung gelingt jedoch viel besser, wenn einige Grundregeln beachtet werden.

Lob und Kritik: Was der Nikolaus falsch macht?

Schließlich begehen der Nikolaus und sein Begleiter einige schwerwiegende Fehler. Zum einen wird Lob und Kritik bei ihnen nur ein einziges Mal im Jahr ausgesprochen. Zudem dann auch noch vor der ganzen Gruppe! Lob erfolgt auch nach dem Gießkannenprinzip, denn an diesem Tag muss über jeden auch etwas Nettes gesagt werden.  Des Weiteren gibt es auch noch das gleiche Säckchen für alle, ganz gleich, ob die Empfänger der Erdnüsse, Mandarinen und Schokolade Allergien auf Inhalte der Säckchen haben oder vielleicht gerade auf Diät sind.

Folglich sollten die Beiden also keine Vorbilder in Sachen Lob und Kritik sein. Damit Sie nicht die gleichen Fehler begehen und sich so vielleicht auch besser auf Ihr Jahresgespräch mit Ihren Mitarbeitern vorbereiten können, haben wir Ihnen einige Tipps für richtiges Kritisieren und Loben zusammengestellt:

Richtig Kritisieren

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1. Ist Kritik überhaupt angebracht?

Zunächst ist erst einmal zu klären, ob Kritik überhaupt sinnvoll ist. Besteht überhaupt ein triftiger Grund, der kritikwürdig ist? Fordern Sie zunächst eine Stellungnahme, bevor Sie Kritik anbringen. Lassen Sie sich die Hintergründe aus Sicht des Mitarbeiters erklären. Wer bei dem kleinsten Fehler zum Kritikgespräch ruft, zerstört die Grundlage einer lebendigen Fehlerkultur.

 

2. Sachliches und konkretes Kritisieren

Kritisierende Aussagen sollten so präzise wie möglich, am besten mit Beispielen unterlegt, und sachlich sein. Bevor jemand zur Kritik greift, sollte man dem Gegenüber zunächst einen Hinweis geben, was ihm nicht gefällt und zudem nach einer Erklärung fragen. Wörter der Übertreibung, wie „immer“, „ständig“ und „nie“ sollten vermieden werden.

3. Zeitnahes Kritisieren

Kritik sollte stets zeitnah erfolgen. Ansonsten könnte es dazu kommen, dass sich Unmut anstaut. Die Gefahr ist hierbei, dass es zu einer Generalabrechnung kommen kann, was natürlich kontra-produktiv ist und nicht den Zweck konstruktiver Kritik erfüllt. Andererseits sollten Sie das Gespräch nicht führen, wenn Sie emotional noch sehr aufgeladen sind. Handeln Sie zeitnah, aber gelassen.

4. Persönliches Kritisieren

Eine Kritik sollte immer unter vier Augen ausgesprochen werden, als vor Dritten. Sorgen Sie für eine positive, konstruktive Gesprächsatmosphäre. Kaum ein Mitarbeiter macht aus bösem Willen Fehler. Machen Sie klar, dass Sie nicht die Person, sondern ein Verhalten kritisieren und dass Sie helfen wollen, ein konstruktives Ergebnis zu erzielen.

5. In der Ich-Form kritisieren

Kritik sollte in der Ich-Form geäußert werden, da Du/Sie-Botschaften, wie „Sie sollten…“ jemanden auf der persönlichen Ebene angreift, woraufhin es zu leichter zu einem Schlagabtausch kommen kann. Damit es nicht zu einem Gesichtsverlust kommt, sollte man sich im Vorfeld in den zu Kritisierenden hineinversetzen und fragen, ob man das negative Feedback in der vorgetragenen Form akzeptieren kann.

6. Lösungen erarbeiten

Haben Sie Ihrem Gegenüber geäußert, was Sie zu kritisieren hatten, so geben Sie ihm auch die Möglichkeit das Besprochene umzusetzen. Vereinbaren Sie gemeinsam realistische Ziele und Maßnahmen, damit der Fehler nicht noch einmal passieren kann. Schließen Sie das Gespräch anschließend positiv und einem Blick in die Zukunft ab. Denn nur so, lernt der Kritisierte auch aus seinen Fehlern. Und nicht vergessen: Bei einer Verbesserung sollte dies auch durch Lob anerkannt werden.

Hier gibt es unsere Checkliste „Richtig Kritisieren“ zum kostenlosen Download.

 

Richtig Loben

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1. Konkretes Loben

Loben Sie nicht zu pauschal, da der Mitarbeiter hiermit wenig anfangen kann. Lob sollte deshalb immer auf konkreten Fakten und Leistungen beruhen. Somit zeigen Sie, dass Sie die Leistungen des Mitarbeiters aufmerksam verfolgen und zu schätzen wissen.

2. Glaubwürdiges Loben

In echtem Lob steckt auch die eigene Freude über die Leistungen des Mitarbeiters, also zeigen Sie dies auch durch Ihre Körpersprache und Ihre Mimik. Taktisches oder unaufrichtiges Lob wird Ihr Mitarbeiter sofort erkennen.

3. Zeitnahes Loben

Es ist sehr wichtig, immer direkt dann zu loben, wenn die Leistung erfolgt ist und nicht nur einmal im Jahr. Loben Sie nicht nur nach erfolgreichem Projektabschluss, sondern auch Teilerfolge. Gefällt Ihnen etwas besonders gut? So bringen Sie es sofort zum Ausdruck. Loben Sie zu spät, so könnten Ihre Mitarbeiter den Eindruck bekommen, dass Ihnen Ihre gute Arbeit gar nicht auffällt.

4. Persönliches Loben

Sagen Sie Ihren Mitarbeitern, wenn dieser gut gearbeitet hat und zwar persönlich und nicht per E-Mail oder über Dritte. Passen Sie Ihr Lob Ihrem Gegenüber an. Manchen Menschen ist es zum Beispiel unangenehm vor Anderen gelobt zu werden. In diesem Fall ist ein Gespräch unter 4 Augen sinnvoller.

5. Das Verhalten loben

Loben Sie nicht nur nach erfolgreichem Abschließen von Projekten oder guten Ergebnissen. Ihre Mitarbeiter freuen sich sicher auch, wenn Sie ab und zu auch Einsatz, Geduld, Anstrengung und andere nicht leistungsgebundene Verhaltensweisen anerkennen. Damit schaffen Sie ein positives und angstfreies Umfeld, bei denen es auch einmal okay ist, wenn Fehler passieren.

6. Lob weitergeben
Ein externer Geschäftspartner oder Kunde lobt die Arbeit Ihres Teams? Geben Sie dieses Lob ruhig weiter und
sagen Sie Ihrem Team, dass es Sie freut, solch gutes Feedback von außen zu bekommen.

Hier gibt es unsere Checkliste „Richtig Loben“ zum kostenlosen Download.

 

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Pia Böckmann
Pia Böckmann studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth mit den Schwerpunkten Internationales Management und Marketing. Derzeit ist sie als Praktikantin bei BEITRAINING im Bereich Marketing & PR tätig.
Pia Böckmann

Pia Böckmann

Pia Böckmann studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth mit den Schwerpunkten Internationales Management und Marketing. Derzeit ist sie als Praktikantin bei BEITRAINING im Bereich Marketing & PR tätig.

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