Die Resilienz stärken

Das Wort „Resilienz“ steht für Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit in schwierigen Situationen. In 2020 bekam der Begriff eine neue Dimension. Selbst wenn Sie zu den Glücklichen gehören, die geschäftlich wenig tangiert sind, sozial und auf persönlicher Ebene ist jeder in irgendeiner Weise betroffen und belastet.

Was bedeutet Resilienz also und wie können wir unsere eigene Resilienz und die unserer Mitarbeiter stärken?

Resilienz – der Löwenzahn-Faktor

Jeder Hobby-Gärtner kann sich den Begriff „Resilienz“ leicht am Beispiel des Löwenzahns vor Augen führen. Ein Löwenzahn wächst weiter, egal, wie widrig die Bodenbedingungen sind und egal, wie oft er vom Gartenbesitzer als Unkraut rausgerissen wird.

Der Löwenzahn scheint sich einfach durch nichts und niemanden unterkriegen zu lassen und ist damit ein Musterbeispiel für Resilienz.

Das Wort Resilienz leitet sich vom lateinischen Wort „resilere“ ab und bedeutet abprallen. Resilienz bezeichnet daher die Fähigkeit eines Menschen, Lebenskrisen, wie zum Beispiel schwere Krankheiten und Schicksalsschläge, unbeschadet und mit eigenen Ressourcen überwinden zu können.

Wer resilient ist, besitzt also eine hohe psychische Widerstandfähigkeit und Belastbarkeit. Diese Eigenschaft kommt jedoch nicht von ungefähr. Wir können unsere Resilienz auch trainieren und wir können unseren Mitarbeitern helfen, ihre Resilienz zu stärken.

Was bedeutet Resilienz in der Arbeitswelt?

Resiliente Mitarbeiter zeigen nicht nur in Krisenzeiten Stärke und Gelassenheit, sondern sind im Arbeitsalltag insgesamt stabiler und belastbarer.

Resilienz in der Arbeitswelt bedeutet:

  • Veränderungen positiv zu sehen
  • mit den steigenden Anforderungen des Arbeitslebens zurecht zu kommen
  • mit Stress positiv umgehen zu können
  • Rückschläge und Misserfolge besser wegstecken zu können
  • in hektischen Zeiten die Ruhe zu bewahren
  • Widersprüche und Meinungsverschiedenheiten zu ertragen
  • an die eigenen Fähigkeiten zu glauben
  • pro-aktiv nach Lösungen zu suchen
  • Eigenverantwortung zu übernehmen statt in der Opferrolle zu verharren
  • in der Krise die Chancen zu erkennen

Warum lohnt es sich, die Resilienz der Mitarbeiter zu stärken?

Die zunehmende Zahl der Mitarbeiter mit psychischen Erkrankungen bringt das Thema Resilienz immer stärker in den unternehmerischen Fokus. Laut AOK-Fehlzeiten-Report 2020 lag der Krankenstand bei den erwerbstätigen Mitgliedern der AOK 2019 im Durchschnitt bei 19,8 Tagen. Besonders die psychischen Erkrankungen sind wiederum gestiegen. Mit 27 Tagen je Fall dauern sie zudem mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 12 Tagen je Krankheitsfall.

Alle Maßnahmen, die präventiv ergriffen werden können, um die seelische Gesundheit der Mitarbeiter zu stärken, sparen dem Unternehmen damit viel Geld. Wenn man daher über Gesundheitsmanagement in Unternehmen spricht, ist die seelische Gesundheit der Mitarbeiter ein mindestens genauso wichtiger Aspekt wie deren körperliches Wohlergehen.

Sie haben Mitarbeiter mit hohen Fehlzeiten? Unser Tipps: So führen Sie ein gutes Fehlzeitengespräch

Wie kann man als Unternehmen etwas für die Resilienz der Mitarbeiter tun?

Die gute Nachricht ist: Resilienz lässt sich stärken. Ähnlich wie man seinen Körper und sein Immunsystem durch gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung fit halten kann, ist es auch möglich, das innere Immunsystem zu stärken.

Während der Obstkorb, kostenlose Getränke oder Bewegungsangebote als gesundheitsfördernde Maßnahmen in Unternehmen längst Einzug gehalten haben, fehlen vielfach Ideen, um die psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten. Dabei gäbe es gerade bei der Stärkung der Resilienz viele Maßnahmen, die wenig kosten und dennoch große Wirkung zeigen.

Bei der Steigerung der Resilienz von Mitarbeitern spielen die direkten Führungskräfte die allesentscheidende Rolle. Sie können am besten steuern, wie ein Mitarbeiter Belastungen erlebt und verarbeitet.

Darf ich denn jetzt nichts mehr von den Mitarbeitern fordern und nur noch auf „heile Welt“ machen? Nein, keineswegs. Die Stärkung der Resilienz hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ein sogenannter „Kuschelkurs“ gefahren werden muss. Vielmehr steht eine von Vertrauen und Respekt geprägte Arbeitsatmosphäre im Vordergrund.

7 Punkte, wie Sie als Führungskraft die Resilienz Ihrer Mitarbeiter stärken können

1. Die Individualität respektieren

Kurzarbeit, Homeoffice, Isolation, Stress, Ängste, Veränderungen und Unsicherheit. All diese Faktoren werden von Menschen sehr subjektiv empfunden. Was für den einen eine Lappalie ist, kann den anderen ganz schön aus der Bahn werfen. Respektieren Sie jeden Mitarbeiter als Individuum mit seinen persönlichen Stärken, Ängsten und Grenzen. Damit stärken Sie automatisch die Resilienz und Belastbarkeit.

2. Mitarbeitergespräche

Um zu wissen, wie es Ihrem Mitarbeiter geht, sind regelmäßige Mitarbeitergespräche gerade in schwierigen Zeiten so wichtig wie nie. Sie sind die Grundlage der Vertrauensbeziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Sie haben somit einen großen Einfluss auf die Motivation, Zufriedenheit und Resilienz eines Mitarbeiters.

3. Selbstbewusstsein stärken

Wer selbstbewusst ist, kann leichter mit Rückschlägen umgehen. Das Führungsverhalten des direkten Vorgesetzen hat eine unmittelbare Auswirkung auf das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter. Wer seinen Mitarbeitern etwas zutraut, ihnen Wertschätzung entgegenbringt und sie in ihrer Entwicklung fördert, stärkt automatisch ihr Selbstbewusstsein und ihre Resilienz.

4. Ziele und Prioritäten klar definieren

Klären Sie mit Ihren Mitarbeitern Ziele und Prioritäten eindeutig. Wenn sich Prioritäten durch die Umstände kurzfristig ändern, lassen Sie Ihre Leute nicht hängen, sondern gehen Sie mit Ihnen die neuen Prioritäten durch. So nehmen Sie Stress aus dem Arbeitsalltag.

5. Hilfe und Unterstützung, wo notwendig

Bieten Sie Hilfe und Unterstützung, wenn ein Mitarbeiter sich überfordert zeigt. Erfragen Sie genau, wo es hakt und bieten Sie gezielt Gegenmaßnahmen an. Das kann in Form von technischer Unterstützung sein, durch organisatorische Maßnahmen, aber auch in Form von Coaching und Training.

6. Leistungszyklen erkennen – Entwicklungen festhalten und wertschätzen

Kennen Sie das Leistungsprofil und den Leistungszyklus Ihrer Mitarbeiter? Können Sie einschätzen, wann Belastungsgrenzen erreicht werden? Wir alle durchlaufen Leistungszyklen, unabhängig von der Position, den Aufgaben und der Branche, in der wir arbeiten. Wer diese kennt, kann auch frühzeitig einschätzen, wenn außergewöhnliche Veränderungen und Belastungen sichtbar werden.

Niemand kann 365 Tage im Jahr 100 Prozent Leistung bringen – akzeptieren Sie, dass Ihre Mitarbeiter – wie Sie selber auch – Zeiten haben, in denen es nicht so läuft. Unterstützen Sie sie dabei, die Ursachen dafür zu finden und helfen Sie ihnen, zur alten Form zurückzukehren, anstatt nur ihre Fehler aufzulisten. Damit stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihrer Mitarbeiter und damit ihre Resilienz.

7. Gesunde Unternehmenskultur

Oft ist es aber auch gar nicht der Stress, sondern die schlechte Unternehmenskultur, die sich negativ auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter auswirkt. Mitarbeitern ist es laut Fehlzeitenreport insbesondere wichtig, dass sie Rückhalt von ihrem Unternehmen erfahren, dass gute Arbeit anerkannt wird und sie ein gewisses Mitspracherecht bei Entscheidungen haben. Achten Sie auf einen respektvollen Umgang aller Mitarbeiter untereinander und geben Sie Mobbing keine Chance.

Was kann ich selbst tun, um meine eigene Resilienz zu stärken?

1. Selbstreflexion

„Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht.“

Dieses Zitat von William Shakespeare verdeutlicht, dass der reflektierte und positive Umgang mit der Krise den Unterschied ausmacht. Wichtig ist daher unsere Fähigkeit zur Selbstreflexion. Die Analyse der Situation, der Maßnahmen und Ergebnisse, hilft Ihnen die Chancen zu erkennen.

2. Selbstverantwortung übernehmen

Manche Menschen neigen dazu, anderen oder dem Zufall die Schuld für gewisse Ereignisse zuzuschreiben. So sagen sie zum Beispiel „Pech gehabt“ oder „Da kann ich nichts machen“. Das bringt sie in eine Opferrolle. Resiliente Menschen übernehmen lieber die Kontrolle über die Ereignisse. Überlegen Sie sich daher, an welchen Situationen Sie etwas ändern können und schreiben Sie sich auch die Erfolge zu, wenn Sie etwas erreicht haben.

3. Erfolge festhalten

Halten Sie Ihre Erfolge schriftlich fest. Manche tun dies in einem Tagebuch oder in einer Erfolgsbilanz. Über die Jahre hinweg ergibt sich in der Rückschau ein kleiner Schatz, der Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und somit auch die Resilienz stärkt.

4. Energiebilanz führen

Worauf verwende ich welchen Teil meiner Energie? Aus welchen Lebensbereichen ziehe ich welchen Teil meiner Energie? Letztendlich sind unsere Zeit und unsere Energie die Ressourcen, die nur in begrenzten Ausmaß zur Verfügung stehen und über deren Einsatz wir bewusst entscheiden müssen. Die Erstellung einer Energiebilanz uns dabei.

5. Selbstmanagement

Wer gut organisiert ist, fühlt sich in der Regel sicherer. Eigenorganisation hilft, den vollen Überblick über seine Aufgaben zu haben. Dies erlaubt auch, besser abschalten zu können und die freie Zeit zu genießen. Denn wer den Überblick verliert, wird unruhig und schwächt damit seine Belastbarkeit. Das Arbeiten nach Prioritäten und eine gut geführte Aufgabenliste sind Grundvoraussetzungen, um die innere Ruhe zu bewahren.

5. Netzwerke aufbauen

In belastenden Situationen hilft ein soziales Netzwerk. Es besteht aus Familie, Freunden, aber auch Geschäftspartnern und Kollegen und gibt Ihnen so die Möglichkeit, sich über Probleme offen austauschen zu können und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das gibt Ihnen innere Sicherheit und stärkt Ihr Durchhaltevermögen. Pflegen Sie daher Ihre Beziehungen.

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Foto: Sussie Nilsson auf Pixabay

Birgit Mauroner

Birgit Mauroner

Ich bin Zertifizierte Trainerin und Beraterin für Mitarbeiter-Bonussysteme bei BEITRAINING, wo ich seit 2003 eine berufliche Heimat gefunden habe, die mit meinen persönlichen Werten und Zielen im Einklang steht. Nach einem internationalen Studium der Betriebswirtschaft in Reutlingen und Reims war ich als Account Manager und Beraterin für die „The Nielsen Company“ tätig, national und international. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit meinen Kunden aus der Süßwarenindustrie war mir dabei immer wichtig. Parallel war ich in der Nielsen Academy als Trainerin tätig. Nach einer kurzen Elternzeit - ich bin verheiratet und Mutter zweier nunmehr erwachsener Kinder - habe ich 2003 bei BEITRAINING die Verantwortung für die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Berufsbegleitend absolvierte ich ein Fernstudium zur akademisch geprüften PR-Beraterin. Mit der Ausbildung als Trainerin und Beraterin bei BEITRAINING habe ich seit 2017 meinen beruflichen Schwerpunkt auf das Training und die Unterstützung unserer Kunden am Standort Nürnberg gelegt. Jeder Mensch ist einzigartig. Unsere Kunden und ihre Mitarbeiter begleite ich mit Engagement, Freude und Faszination bei ihrer persönlichen Entwicklung. Meine Schwerpunkte sind die Themen Eigenorganisation, Kommunikation und Kundenorientierung.

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